Der Choreograf, Singer-Songwriter und Queer-Aktivist Ivo Dimchev bringt in seinen Performances Hoch- und Subkultur, Pop und Balkanfolklore zusammen. In DI/Strauss technique verwandelt er das rauschhafte Potenzial der Musik von Johann Strauß in ein schweißtreibend-musikalisches Workout mit dem Publikum. Ausgehend von der Musik des Walzerkönigs kreiert Dimchev eigene Healing Songs, mit denen er verschiedene Körperteile beschwört.Dass der Abend wie eine gut organisierte Eskalation funktioniert, hängt vom Publikum ab. Eingeladen zu kollektiver Bewegung, haben die Zuschauer:innen auch Gelegenheit zu Austausch und Abbau von Hemmungen: Stimmen werden lauter, Bewegungen größer, Scheu immer kleiner. Es wird miteinander gesprochen. In die tanzend-singende Masse platziert Dimchev Themen wie Selbstliebe, Geldsorgen, sexuelle Selbstbestimmung oder emotionale Überforderung, um darauf sofort selbst in göttlicher Absurdität künstlerisch zu reagieren. Nie mit erhobenem Zeigefinger. Sie werden weggesungen, weggelacht, weggewalzt.DI/Strauss technique ist vor allem das: ein Gemeinschaftserlebnis. Eine temporäre Gesellschaft, die sich für einen Abend erlaubt, unperfekt zu sein. Operette trifft Club, Chorprobe trifft Tanzfläche. Wer reinkommt, geht selten unverändert wieder raus. Kein Lehrstück. Kein Wohlfühlversprechen. Sondern ein kollektives Durchdrehen mit System. Ein Walzer, der aus dem Ruder läuft.
Quelle: Die Theater Chemnitz