Environnement Vertical ist die Begegnung zweier Tänzerinnen mit Materie. Einer Materie, die Mensch sein kann, aber auch Wand oder Baumstamm, ja sogar leerer Raum – weniger greifbar, doch ebenso real, sichtbar und konkret. Zunächst tritt ein Körper aus dem Gebäude hervor, wird sichtbar und löst sich von ihm. Er setzt sich mit harten Elementen wie Wänden und Fassaden auseinander, aber auch mit dem Gegenüber – einer gleichwertigen, doch grundlegend anderen Präsenz. Es entspinnt sich ein spielerisches und zugleich kämpferisches Ringen zwischen Architektur, Leere und Körper; letzterer strebt danach, sich zu befreien – zunächst mit ungestümer Entschlossenheit, dann aus vitaler Notwendigkeit. Schließlich wird der Körper leichter, gewinnt an Luftigkeit und nähert sich der Schwerelosigkeit an, bis er sie schließlich annimmt und in ein lebendiges, freudvolles Wechselspiel eintritt. Fabrice Guillot und sein Team stellen die Umgebung immer wieder in Frage und zeichnen sie über choreografierte Linien, Kurven und Schwingungen neu. Auf dem Gebiet des Danse Verticale gilt die Compagnie Retouramont als Pionierin. Sie beschränkt sich nicht auf eine einzige Disziplin, sondern verbindet verschiedene Kunstformen in einem spezifischen Rahmen zu einem einzigartigen Werk. Auf der Grundlage ihrer Expertise und unter Einbeziehung des Pôle de Danse Verticale – einer spezialisierten Einrichtung für Training und künstlerische Residenzen – berät sie heute Kompanien, die das Element der Vertikalität in ihre künstlerische Arbeit integrieren möchten. Zu den nennenswerten Kooperationen zählen die Produktion Vertikal (2018) mit Mourad Merzouki sowie das Stück Les Ailes du Désir (2021) mit Bruno Bouché vom Ballet du Rhin. Seit 2014 leitet sie zudem das Vertical Dance Forum, ein Netzwerk von sieben Choreograf:innen aus Europa und Kanada, die auf den Bereich des Vertikaltanzes spezialisiert sind.
Quelle: Die Theater Chemnitz