Ein leeres Krankenhausbett steht auf der Bühne. In den fast leeren Raum ragt eine Tür. Seltsame Dinge geschehen. Wird die Tür sich jemals öffnen, liegt etwa jemand in dem Bett, ohne gesehen zu werden? Offensichtlich passiert nichts, doch ständig ändert sich die Atmosphäre im Raum. Das Bett regt sich, es hebt sich und senkt sich. Es kippt, als folge es dem Gewicht eines sich darin bewegenden Menschen. Eine Stimme schaltet sich ein und beschreibt den Zustand eines unsichtbaren Körpers. Seine Lage, seine Bewegungen, sein Atmen. Spannung liegt in der Luft, von Neugier getrieben. Ständig passiert etwas.Die vom Autor und Regisseur Jeong Seyoung in Südkorea entwickelte, ebenso spannende wie heitere Theateranordnung fußt auf direkten Erfahrungen aus einem gesellschaftlichen Umfeld, in dem medizinische Institutionen, Pflege, Kontrolle und soziale Ordnung eng miteinander verwoben sind. Seyoungs Arbeiten gehen immer von bekannten Alltagssituationen aus und entdecken hinter dem Gewöhnlichen spektakulär Ungesehenes.Und wie der Titel, „Außer, dass du mich nicht sehen kannst“ verspricht, gibt es eine Form von Theater zu erleben, die bewusst mit den Formen des Theaters spielt. Mit dem, was sichtbar ist, mit dem, was erzählt wird, woran erinnert wird und vor allem damit, welche Vorstellungskraft das Publikum entwickelt. Es ist eine Einladung an alle Zuschauer:innen, die eigene Wahrnehmung zu testen, die Aufmerksamkeit zu überprüfen und Vorstellungskraft als Quintessenz des Theaters zu erleben.Das Multitalent Seyoung spielt in seinen außergewöhnlichen Arbeiten auf der gesamten Klaviatur des Theaters, von Szenografie über Choreografie bis hin zu Licht – seine Inszenierungen überraschen bewusst mit dem Durchbrechen bekannter Sehgewohnheiten.
Quelle: Die Theater Chemnitz