Willkommen zum grandiosesten Ball aller Zeiten! Ein Moderator, ein Vogueng-Rapper, betritt die Bühne. Er ist Gastgeber des Abends. Das Orchester setzt ein, und ein Chor aus 20 Sängerinnen und Tänzern schreitet durch einen riesigen Kleiderschrank auf die Rampe, begleitet vom stampfenden Rhythmus einer einzelnen Trommel. „Wir sind hier. Wir sind queer!“, skandieren sie. Mehrere Videoleinwände erscheinen im Hintergrund der Bühne, während der Moderator verkündet: „Und das Thema lautet: Stellt euch euren Widrigkeiten!“ Entwickelt von dem südafrikanischen Komponisten Philip Miller und inszeniert von Rikki Beadle-Blair und John Trengove entstand eine Oper, deren rasante Bilderfolge sich bewusst gegen klare Kategorisierung stellt. Held der Geschichte ist Simon Nkoli. Ein Schwarzer, Anti-Apartheid-Aktivist, der offen schwul lebte. The Vogue Opera ist kein biografisches Porträt, sondern ein hybrider Musikabend voller Energie, Lebensfreude und mit klarer politischer Botschaft. Der im südafrikanischen System mehrfach exponierte Nkoli erlebte Ausgrenzung, Apartheid, Homophobie und institutionelle Gewalt. Er lebte, wie Hunderttausende, in ständiger Gefahr. Millers Komposition verbindet Operngesang mit Protestliedern und Club-Sounds mit Ballroom Culture. Bilder, Körper, Musik und Archivmaterial stehen gleichberechtigt nebeneinander. Auf der Bühne ist es voll und laut, alles befindet sich in permanenter Bewegung. Voguing, Rap, Lip-Sync und orchestrale Elemente überlagern einander in ständiger Aufgewühltheit. Die Geschichte entfaltet sich fragmentarisch, nicht chronologisch. Der Ballsaal, als politischer Raum, ist die Projektionsfläche für Fragen von Zugehörigkeit, Sichtbarkeit und Widerstand. Unterhaltung und Ernst sind hier keine Gegensätze, sondern untrennbar miteinander verbunden. Nkolis Coming-out ist dabei keine Privatangelegenheit, sie wird ein öffentlicher Akt in einem repressiven System. Die Oper ist offen und durchlässig für eine Vielzahl musikalischer und performativer Sprachen, für Körper und Stimmen.
Quelle: Die Theater Chemnitz