„Von Körper zu Körper“ ist die Übersetzung des Titels dieser Tanzproduktion. Erarbeitet wird sie von der japanischen Choreografin Yoko Ando aus Yokohama, gemeinsam mit der Gruppe Tanzende Nachbarn aus Chemnitz. Diese Initiative, entstanden im Zuge des europäischen Kulturhauptstadtjahres 2025, vereint Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Historien bei gemeinsamem Tanz. Von Beginn an fördert das Projekt den interkulturellen und intergenerationellen Austausch. Als Teil dieses Dialogs wurde eine Zusammenarbeit mit dem Seniorentanzprogramm „Challenge of the Silver“ in Kanagawa entwickelt, das von der Kanagawa Arts Foundation geplant und produziert wird. In diesem Zusammenhang treten Tänzer:innen aus Japan in der Performance auf und stärken so den künstlerischen Austausch zwischen Chemnitz und Kanagawa.Im Stück stehen die Menschen zusammen auf einer Bühne. Ihre Körper tragen verschiedene Geschichten, Rhythmen, Erfahrungen und bewegen sich doch im selben Raum, zur selben Zeit. Was daraus entsteht, ist kein Abbild von Alltag, sondern eine präzise choreografische Begegnung unterschiedlicher Identitäten.Yoko Ando, selbst auch Tänzerin, entwickelt mit den Tanzenden Nachbarn ein konzentriertes choreografisches Gefüge, das Nähe, Aufmerksamkeit und körperliche Differenz nicht erklärt, sondern sichtbar macht. Zu erleben ist eine Abfolge von Bewegungen, Blicken und räumlichen Konstellationen. Körper bewegen sich nebeneinander, lösen sich voneinander, finden temporäre Allianzen. Mal steht das Kollektiv im Vordergrund, mal ein einzelner Körper, der aus der Gruppe hervortritt. Alter wird dabei nicht thematisiert, sondern verkörpert. Die Nähe entsteht nicht durch Gleichheit, sondern durch Aufmerksamkeit. Bewegung wird zu einer Form des gegenseitigen Zuhörens.Die Produktion ist ein künstlerischer Höhepunkt im Schaffen der Tanzenden Nachbarn. Seit drei Jahren trainieren und proben sie regelmäßig gemeinsam. Diese Zeit wird spürbar: im Vertrauen zwischen den Tänzer:innen und der Choreografin, in der Ruhe der Bewegungen, in der Genauigkeit von Übergängen. Die Choreografie erklärt nichts. Sie öffnet einen Raum, in dem Verschiedenheit koexistieren und gefeiert werden kann.
Quelle: Die Theater Chemnitz