Mit Strom der Erinnerung könnte man den Titel dieses ebenso leisen wie intensiven Figurentheaterabends aus Indonesien übersetzen. Während der erzwungenen Vereinzelung der Menschen in den Jahren der Corona-Pandemie begann das Künstlerpaar Maria Tri Sulistyani und Iwan Effendi, eine Arbeit zu entwickeln, die ihrer Sehnsucht nach Nähe, Beziehung und dem Gefühl von Verbundenheit mit anderen Menschen entsprang. Aus dieser Sehnsucht ist eine Bühnenerzählung ganz ohne Worte entstanden, eine Geschichte über das Erinnern, das Vergessen und das, was zwischen Menschen bleibt, wenn Vergänglichkeit hereinbricht. Der unterhaltende Abend ist für jüngere und ältere Menschen gleichermaßen gedacht. Auf der Bühne ist ein riesenhaftes Wesen namens Kali zu erleben. Es symbolisiert vergessene Flüsse, ist gleichzeitig Hüter der Erinnerung und Zeuge einer Welt im Wandel. Ihm begegnen Fantasiefiguren, die sich zwischen Andeutungen von Häusern, reißendem Flusswasser, Licht und Sand bewegen. Sie sprechen nicht, sie atmen. Jede ihrer Bewegungen, jeder Klang, jedes Licht im Raum erschafft einen Rhythmus, der mehr spürbar als erklärbar ist. Kalis Weg durch die Welten und Zeiten entwickelt einen Sog der Faszination des ewig Unfassbaren. Mit meisterlich verarbeiteten Materialien wie Holz, Stoff, Rattan, Lehm und Leder, geführt durch magische Bewegungen, lässt das indonesische Ensemble des Papermoon Puppet Theatre fantasievolle Welten entstehen. Auch wenn die Bühne fast leer bleibt, ereignet sich viel und es entsteht ein ganz eigenwilliges Bühnenleben. Stream of Memory ist eine Einladung, zuzuschauen, wahrzunehmen und sich zu erinnern: an Flüsse, an Begegnungen, an das, was trotz Vergänglichkeit bleibt. Das Papermoon Puppet Theatre aus Yogyakarta auf der Insel Java gehört seit fast zwei Jahrzehnten zu den eindringlichsten Stimmen des zeitgenössischen Figurentheaters in der internationalen Theaterwelt.
Quelle: Die Theater Chemnitz