Tannhäuser und Elisabeth sind einander seit langem tief verbunden. Sie wuchsen in einer kunstsinnigen, christlich geprägten Gemeinschaft auf. Elisabeth versucht, deren Regeln mit tiefer innerer Überzeugung zu leben, aber Tannhäusers Verlangen nach Liebe, Lust und Sinnlichkeit steht im Konflikt mit den kirchlichen Gesetzen. Er bricht aus und gibt sich seinen Trieben im Venusberg hin. Damit stößt er nicht nur Elisabeth in den Abgrund und die gesamte Gemeinde vor den Kopf – auch er selbst wird zerrieben zwischen seinem sexuellem Begehren und dem Bestreben, seinem eigenen moralischen Anspruch zu genügen. Richard Wagner beschäftigte sich für seinen Tannhäuser mit einer Reihe von Texten, u. a. mit Ludwig Tiecks Märchen Der getreue Eckart und der Tannenhäuser, mit E. T. A. Hoffmanns Geschichte Der Kampf der Sänger sowie vor allem mit den Sagen vom Tannhäuser und vom Sängerstreit auf der Wartburg, die zum Teil auf wahre Begebenheiten zurückgehen. Die Uraufführung fand am 19. Oktober 1845 in Dresden statt. Bemerkenswert ist, dass diese Oper Wagner Zeit seines Lebens nicht mehr losließ und er immer wieder Umarbeitungen vornahm, am bekanntesten ist die für Paris 1861. Diese floss ein in die sogenannte Wiener Fassung, auf der auch die Chemnitzer Aufführung 2027 basiert. Regisseur Bernd Mottl debütiert mit dieser Produktion am Opernhaus Chemnitz. Er begibt sich auf Spurensuche nach den Gründen für das tödliche Scheitern einer Liebe und will dabei den Zwiespalt erfahrbar machen, der sowohl Elisabeth als auch Tannhäuser in einen solchen Abgrund stürzen lassen hat. Mit berührenden Bildern wird beleuchtet, wo die Verfehlung Tannhäusers liegt und welche Rolle gesellschaftliche Themen wie Glauben und Sexualität sowie christliche Religion und Triebhaftigkeit dabei spielen.
Quelle: Die Theater Chemnitz