Ausstellungen
Grafik im Fokus: Francisco de Goya – Druckgrafik #2
– Museum der bildenden Künste (MdbK)-
Im Anschluss an die erste Kabinettausstellung zum grafischen Werk Francisco de Goyas (30.10.2025–01.02.2026) widmet sich die Sammlungspräsentation Grafik im Fokus: Francisco de Goya – Druckgrafik #2 der bedeutenden Werkserie „Los Caprichos“ des spanischen Künstlers.
„Los Caprichos“, der 80 Blatt umfassende Radierzyklus Goyas (1746 Fuendetodos, Provinz Saragossa – 1828 Bordeaux) zählt bis heute zu seinen bekanntesten Werken. Der 50-jährige Künstler kommentierte mit seinen Aquatinta-Radierungen kritisch die gesellschaftlichen und politischen Missstände Spaniens und demaskierte die Gesellschaft. Aktuelle Probleme wie Armut, Sexualität, Prostitution, Aberglauben und das überlebte Standesbewusstsein des Adels sind thematisiert. Die gesellschaftlichen Erschütterungen in Europa in Folge der Französischen Revolution hat Goya deutlich als Zwiespalt von Vernunft und Gefühl, traditionellen Normen und individuellen Bedürfnissen erfasst. Die Werke, die visuellen Darstellungen und ihre Bildtitel, entziehen sich bis heute der direkten Übersetzbarkeit. Sie machen vielmehr die Ambivalenz zum eigentlichen Thema. Goya verarbeitete viele Bildquellen, beispielsweise Emblembücher mit tiefgründigen und hintersinnigen Text-Bild-Kombinationen oder populäre Holzschnitt-Illustrationen. Anregungen erhielt er durch Intellektuelle, Schriftsteller, Künstler und liberale Politiker, mit denen er befreundet war. Genannt seien Ceán Bermudez (1749–1829), Don Bernardo de Iriarte (1735–1814), Leandro Fernández de Moratin (1760–1828) und Gaspar Melchor de Jovellanos (1744–1811), die alle von Goya porträtiert wurden.
Für „Los Caprichos“ verwendete Goya das neue Verfahren der Aquatinta, das 1768 von dem französischen Künstler Jean Baptist Le Prince (1734–1781) bekannt gemacht worden war. Diese Ätztechnik ermöglicht es, Flächen zu gestalten, und nicht – wie bei der Radierung oder dem Kupferstich – mit Linien, Schraffuren oder Punkten, flächenbildende Elemente zu formen. Die Aquatinta erscheint dem Auge eher wie eine lavierte Zeichnung in Tusche oder Sepia. Goya kombinierte die Technik der Radierung mit der Aquatinta und retuschierte teilweise seine Kompositionen noch mit der Radiernadel.
Goya zeigte sich als unabhängiger Künstler. Ohne Auftrag und finanzielle Unterstützung veröffentlichte er 1799 die erste Auflage der „Los Caprichos“ und bot sie zum Verkauf an. Von den wohl 270 Exemplaren der einzigen zeitgenössischen Auflage, fanden anfangs nur 27 Exemplare Interessenten. Die Restauflage und die Druckplatten schenkte er 1803 König Karl IV. von Spanien, der dafür Goyas Sohn Javier (1784–1854) eine Leibrente aussetzte. Wahrscheinlich waren die Brisanz der Werke und die Angst vor Repressalien der Inquisition die Motivation, die Arbeiten öffentlich zurückzuziehen. Von 1855 bis 1937 wurden in der Calcografía Nacional in Madrid noch elf weitere Ausgaben gedruckt.
Ausgestellt wird eine herausragende frühe erste Ausgabe, die aus der Sammlung des Wiener Kunstsammlers Julius Hofmann (1840–1913) stammt und 1925 vom MdbK angekauft werden konnte.
Grafik im Fokus: Francisco de Goya – Druckgrafik #2 ist die fünfte Ausgabe der seit 2024 fortlaufenden Ausstellungsreihe Grafik im Fokus, in der die Graphische Sammlung des MdbK regelmäßig eine thematische Auswahl ihrer Bestände im Sammlungsraum des 1. Obergeschosses präsentiert.
mdbk
-
Mo geschlossen
Di, Do–So 10-18 Uhr
Mi 12-20 Uhr
Feiertage* 10-18 Uhr
*Neujahr, Karfreitag, Ostersonntag, Ostermontag, 1. Mai (Tag der Arbeit), Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Buß- und Bettag, 3. und 31. Oktober, 1. und 2. Weihnachtsfeiertag.
Am 24. und 31. Dezember ist das MdbK geschlossen.
-
Dauerausstellung Kunst 15.-19. Jahrhundert -> Eintritt frei
Sonderausstellungen 3. OG -> 8 € / erm. 4 € / Gruppe 6 € p. P.*weitere Infos zu Preisen direkt auf der Museumsseite