Bühne
Elegien — Black Box II Eine Koproduktion von Leipziger Ballett und Schauspiel Leipzig
Schauspiel Leipzig3-teiliger Ballettabend von Andrea Carino, Marcelino Libao, Vincenzo Timpa
Quelle: Oper Leipzig und Musikalische Kömödie
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Eine Black Box beschreibt im Theater typischerweise einen einfachen Aufführungsraum, meist quadratisch mit schwarzen Wänden. Es ist die Einfachheit des Raumes, die eine Vielzahl von Möglichkeiten in der Konfiguration der Bühnen- und Publikumsinteraktion schafft — ein offener Rahmen für künstlerische Experimente.
Für die zweite Ausgabe der von Ballettdirektor Rémy Fichet entwickelten Reihe „Black Box“ wird erneut ein schwarzer Bühnenraum zum Fokusraum verschiedener choreographischer Sprachen — dieses Mal auf der Großen Bühne im Schauspiel Leipzig. Aus den Reihen des Ballett-Ensembles entstehen dabei drei Arbeiten, die sich diesmal Rainer Maria Rilkes „Duineser Elegien“ zuwenden. Das Leipziger Ballett wird zum Kreativlabor choreographischer Innovation zwischen Tanz und Literatur.
Rilkes „Elegien“ kreisen um existenzielle Fragen: die Sehnsucht nach dem Transzendenten, die Konfrontation mit Vergänglichkeit, die Notwendigkeit der Verwandlung.
Drei Choreograph:innen lesen Rilke — und drei Mal ist es eine andere Wunde, die sich öffnet. Andrea Carino folgt dem Begehren: wie Liebe zur Projektion wird, wie wir nicht den anderen lieben, sondern das Bild, das wir uns von ihm erschaffen haben. Begehren, das trägt — und das zerstört. Die Bewegung wird zum Spiegel — zwischen Anziehung und Auflösung, zwischen dem Wunsch zu halten und der Unfähigkeit loszulassen.
Vincenzo Timpa hält inne vor dem Abgrund zwischen Mensch und Absolutem — vor Rilkes überwältigenden Engeln, vor der Flüchtigkeit der Kindheit, vor dem Tod als Reifung statt als Ende. Dazwischen: das kurze, offene Leuchten des Kindseins, bevor die Welt sich zur Interpretation schließt. Timpa fragt, was wir verlieren, wenn wir aufhören, offen zu sein.
Marcelino Libao wiederum liest die Vierte Elegie als Diagnose unserer Gegenwart: In der leblosen Puppe, die Rilke beschwört, erkennt Libao die Künstliche Intelligenz — ein Spiegel einer Gesellschaft, die sich ans Makellose bindet und dabei verlernt, was Menschen einander bedeuten können. Es ist das Menschliche selbst, das hier auf dem Spiel steht.
So verschieden die Zugänge, so verwandt ihre Fragen: Was bleibt von uns? Wonach greifen wir, wenn wir lieben, wenn wir uns sehnen, wenn wir uns an das Leblose klammern?
„Elegien — Black Box II“ ist eine choreographische Erkundung von Rilkes verdichteter Sprache. Ganz nah am Publikum, zwischen klassischer Technik und zeitgenössischem Ausdruck.Quelle: Schauspiel Leipzig
Termine
- 03.04.2027 19:30 Schauspiel Leipzig
- 04.04.2027 18:00 Schauspiel Leipzig
- 08.04.2027 19:30 Schauspiel Leipzig
- 14.04.2027 19:30 Schauspiel Leipzig
- 22.04.2027 19:30 Schauspiel Leipzig