Ein besonders emotionaler Abend kündigt sich an, sowohl für das Leipziger Publikum als auch für Marie Chouinard selbst. Denn in ihrem neuesten Werk inszeniert die weltbekannte Grande Dame der Tanzszene in Québec ihre Compagnie zu Bachs „Magnificat“, das 1723 kurz nach dem Amtsantritt des Leipziger Thomaskantors uraufgeführt wurde. Dieser erste, ästhetisch prachtvolle Teil des Abends entwickelt in strahlkräftigen Bildern eine hautnahe Beziehung zwischen Bachs biblischem Lobgesang und der menschlichen Gestalt. In geradezu paradiesischer Freude beschwört das Ensemble eine Wiedergeburt des Gottessohns, im barocken, höfischen und allein der Schönheit verpflichteten Geist des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV.Die perfekte Technik, die Originalität und die gewagten, doch nie provozierenden Bilder Chouinards führen uns auch durch den zweiten Teil, in dem sich eine gänzlich andere Welt offenbart. HENRI MICHAUX: MOUVEMENTS ist ein Klassiker der Compagnie, ein Werk, das uns den Poeten Michaux auch als Zeichner vorstellt. Dessen 1951 veröffentlichter Band „Mouvements“ besteht aus einem fünfzehn Seiten umfassenden Gedicht und Hunderten von Tuschezeichnungen, die Chouinard in einer Serie von Projektionen für uns aufblättert. Die von elektronischer Musik und Michauxs nervösem Universum durchgerüttelten Körper scheinen zu verfließen und verwandeln sich in lebendige Kalligraphie. Ein sehr bewegter und bewegender Abend, der eine der prägendsten Choreografinnen unserer Zeit endlich auch in Leipzig vorstellt.
Eröffnungszeremonie der 36. euro-scene Leipzig
vor der Vorstellung im Foyer 1 mit:
Athena Lucie Assamba Performance
Dr. Skadi Jennicke Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur der Stadt Leipzig
Geneviève Rolland Generaldelegierte von Québec für Deutschland, Österreich und die Schweiz
Aline Fiedler Abteilungsleiterin Kunst und Kultur, SMKT Sachsen
Im Anschluss der Vorstellung: Eröffnungsfeier im Foyer. Die Bar ist geöffnet.
Quelle: Schauspiel Leipzig