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VORTRAG
Walter Cramer (1. Mai 1886 – 14. November 1944), Vorstandsmitglied der Kammgarnspinnerei Stöhr & Co., gehörte zu den nur wenigen Vertretern der deutschen Wirtschaft, die alles ihnen Mögliche unternahmen, um jüdische Mitarbeiter vor der Verfolgung zu schützen oder jüdischen Geschäftspartnern bei der erzwungenen Arisierung ihrer Betriebe nach besten Kräften behilflich zu sein. Er ragt damit aus der weitaus überwiegende Zahl von deutschen Wirtschaftsführern heraus, die sich zuweilen direkt als überzeugte Nationalsozialisten zu erkennen gaben, teils opportunistisch an die veränderten politischen Verhältnisse anpassten oder die Ausschaltung der jüdischen Konkurrenz begrüßten, da sie hiervon nicht selten direkt profitierten.
Walter Cramers konsequentes Handeln ist auch deshalb hoch zu würdigen, weil die Mehrheit der nationalkonservativ eingestellten Hitlergegner, zu denen er vor allem durch den engen Freund Carl Goerdeler Tuchfühlung gewinnen konnte, sich deutlich langsamer, zuweilen auch nur partiell, von antisemitischen Grundeinstellungen lösen konnte.
Da Cramer nach einem gelungenen Attentat auf Hitler eine politische Funktion zugedacht war, besiegelte das Scheitern des 20. Juli 1944 auch sein Todesurteil.
Im Vordergrund des Vortrags steht aber nicht das tragische Lebensende durch die Hinrichtung, sondern sein Eintreten als deutscher Patriot für die Juden in seinem Unternehmen und auch bei südosteuropäischen Geschäftspartnern.
Im Epilog wird dem Gedenken Leipzigs an diesen herausragenden Mann Aufmerksamkeit geschenkt, wobei auch Bezug genommen wird auf hier zuletzt irritierende Phänomene wie die jüngst aufgeflammte Diskussion etwa um die Person Carl Goerdelers.
Treffpunkt: Treff: Kassenfoyer
Teilnahmegebühr: Teilnahmegebühr: Eintritt freiquelle: grassi-voelkerkunde.skd.museum