Bühne
„Who the fuck is Malina?“ Eine szenische Annäherung an Ingeborg Bachmann
Mo | Deutsches Buch- und Schriftenmuseum Leipzig (in der DNB)-
Ingeborg Bachmann wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden und die wichtigste Frage ihres Lebens als Künstlerin ist noch immer nicht geklärt: Wer ist eigentlich Malina? So heißt ihr 1971 erschienener Roman, der wohl als die ungewöhnlichste Dreiecksgeschichte der deutschsprachigen Literatur gelten kann. Zugleich ist der sprachgewaltige Text, der zwischen Liebesroman, Protokoll und Traumsequenz pendelt, eine literarische „Autobiografie, wenn auch nicht im herkömmlichen Sinne“ (Ingeborg Bachmann).
Im Zentrum der in Wien spielenden Geschichte steht das Verhältnis eines namenlosen weiblichen Ichs zu ihrem Geliebten Ivan und zu Malina. Alle drei bewegen sich in der Ungargasse, nur wenige Häuser voneinander entfernt. Malina erscheint dabei nach und nach als männlicher Anteil der weiblichen Ich-Erzählerin. Er wird eine Facette ihrer selbst, verselbständigt sich, lässt ihr am Ende keinerlei Raum. Es entwickelt sich die aufwühlende Geschichte einer scheiternden Liebe, die gleichfalls Chronik des Kampfes um weibliche Selbstermächtigung ist und in dem berühmten letzten Satz „Es war Mord.“ gipfelt.
Persönliche Erfahrungen durchziehen den gesamten Text – von den Liebesbeziehungen zu Paul Celan und Max Frisch bis hin zu Ingeborg Bachmanns Beschäftigung mit dem Fortwirken des Faschismus in der österreichischen Nachkriegsgesellschaft. Eine Vergangenheit wird durchlebt, die nicht vergangen ist: die Auseinandersetzung mit der Tätergeneration ihres Vaters, mit Schuld, Verdrängung und dem Schweigen der Nachkriegszeit.
„Who the fuck is Malina?“ nimmt den Roman sowie den umfangreichen Briefwechsel Ingeborg Bachmanns mit Paul Celan und Max Frisch zum Ausgangspunkt für eine szenisch-theatrale Erkundung. Anlässlich ihres 100. Geburtstages entsteht der Versuch einer künstlerischen Anamnese der großen österreichischen Schriftstellerin, wobei sich Literatur, Biografie und aktuelles Zeitgeschehen begegnen.
quelle: dnb.de