Winter 2005 in den chilenischen Anden. Eine militärische Übung, schlecht vorbereitet, schlecht ausgerüstet. Bei einem Marsch am Vulkan Antuco sterben 44 junge Rekruten und ein Unteroffizier an Kälte und Erschöpfung. Was bleibt, sind Leere, Wut und Unverständnis im ganzen Land.Die Gruppe Silencio Blanco aus Santiago de Chile wählt bewusst diese tief nachwirkende Tragödie für ihr Stück. Nicht das erschütternde Manöver wird thematisiert, sondern das, was danach kommt: das Warten, das Zurückbleiben, der Alltag der Familien. Der Situation angemessen, entwerfen die Künstler:innen ein konzentriertes Figurentheater, ohne ein einziges Wort. Mit scharfer szenischer Bildsprache werden die Militarisierung der Jugend und die Verknüpfung ihres Lebensunterhalts mit der Institution Armee behandelt. Gestenreich entfaltet sich ein Spiel um die Verführung kindlicher Fantasien zu Heldentum und Abenteuer, die dann im Militärapparat ernüchternd enden. In Chile ist der Militärdienst bis heute für viele junge Menschen aus ländlichen Regionen eine der wenigen Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs. Zugleich bleibt das Militär eine Institution, deren Rolle zwischen nationalem Selbstbild, Disziplin und verdrängter Verantwortung umstritten ist.Mit einfachen Materialien, in einer reduzierten Schwarz-Weiß-Ästhetik, entstehen eindringliche Szenen, in denen Wind, Schnee und Körper gleichermaßen erzählen. Die Natur ist nicht Kulisse, sondern wird zur übermächtigen Kraft, der niemand entkommt. Das Wetter wird zur Handlung, die Landschaft zum Zeugen. Heroisch ist hier nichts.Silencio Blanco, was übersetzt ein „ganz unheimliches, tiefes Schweigen“ meint, lenkt präzise und poetisch den Blick auf Verantwortung, Erinnerung und Verlust.
Quelle: Die Theater Chemnitz