Ein kleines Mädchen stapft mutterseelenallein durch den dunklen und stillen Wald. Als es beinahe Abend ist, kommt es an ein Häuschen und klopft. Und noch einmal. Und noch ein drittes Mal. Im Haus wohnt die Graue, eine alte, einsame Frau, die dort draußen im Wald nur selten Besuch bekommt und von Gästen sowieso nicht viel hält. Widerwillig lässt sie die Kleine herein. Das Mädchen bekommt eine warme Milch, darf ein wenig am Feuer sitzen und für die Nacht in der Stube schlafen. Hier bleiben kann es aber nicht, denn die Graue weiß nicht, wie man mit Kindern und ihren ganzen Fragen umgeht und außer Milch hat sie sowieso nur wenig im Haus, was Kinder mögen. Doch als das Mädchen in dem alten Sessel vor dem Ofen sitzt und von ihrem Zuhause erzählt, wird selbst der Alten ein wenig warm ums Herz. Am nächsten Morgen nach dem Frühstück bricht die Kleine auf und die Graue ist froh, wieder allein zu sein. Oder? Plötzlich fühlt sich nichts mehr an wie zuvor und die ersehnte Ruhe weicht einer trostlosen Einsamkeit. Jemand fehlt. Schließlich macht sich die alte Frau auf den Weg, um das Mädchen zu suchen ... Annika Thor erzählt leise, gefühlvoll und poetisch von Wärme, Menschlichkeit und Glück, aber auch von Fremde, Einsamkeit und Flucht – und der wunderbaren Chance, die darin liegt, sich und seine Welt einem anderen zu öffnen. Dann nämlich zeigt sich, wie ein Ort, der erst kalt und unheimlich erscheint, im Inneren aber warm und gemütlich sein kann und schließlich mehr und mehr an Farbe und Leben gewinnt. Emma Broström überträgt die Motive aus dem Buch in eine sanfte und atmosphärische Theaterfassung für zwei Spielerinnen, die nun in der kalten Jahreszeit auch bei uns auf die Bühne kommt.
Quelle: Die Theater Chemnitz