Wenn wir heute Polit-Satire schauen wollen, machen wir am besten die Nachrichten an. Das Unglaubliche ist längst zur Realität geworden und kaum zu toppen. Gäbe es da nicht Friedrich Schillers einzige und aberwitzige Komödie Der Parasit! Das Stück katapultiert uns mitten in die Schaltzentrale der Macht: in das Büro des Ministers Narbonne. Dieser wurde gerade vom Land in die Stadt befördert. Und ein Minister ist natürlich nur so gut wie sein Kabinett. Konkret sucht er einen Botschafter, den er als Vertreter des Staates in ferne Länder senden kann. Ein toller Job. Drei enge Mitarbeiter kommen dafür infrage, wer wird wohl das Rennen machen: der fachlich kompetente Firmin, der scharfsinnige La Roche oder der schillernde Selicour? Wenn dann noch private (Liebes-)Verwicklungen und eine ehrgeizige Mutter dazukommen, kann es turbulent werden. Viele Intrigen, Missverständnisse und Lügen später lässt sich feststellen, dass Loyalität ein Glücksspiel und Moral ein Luxusgut ist. Die Gier nach sozialem Aufstieg, Reichtum und Macht treibt ihr Unwesen, höchst zweifelhafte und kriminelle Methoden – heute bekannt als Mobbing, Korruption und Veruntreuung – sind zur Normalität geworden. Womit wir wieder bei den Nachrichten wären. Mit beunruhigender Präzision spiegelt Der Parasit unsere mitunter absurde Gegenwart wider. Das Stück entstand in den Jahren 1803/1804 und gehört zu Schillers späten Werken. Wobei das nicht ganz richtig ist, denn auch Herr Schiller hat pikanterweise „geklaut“. Die Komödie basiert auf einer französischen Vorlage von Louis-Benoît Picard. Bei der Uraufführung hielt es Schiller jedoch nicht für nötig, den Autor zu nennen.
Quelle: Die Theater Chemnitz