Giuseppe Verdis Meisterwerk Il Trovatore handelt von den dunklen Seiten der Menschheit und dem Tod als omnipräsente Kehrseite allen Lebens. Vor dem historischen Hintergrund der Thronfolgekämpfe im spanischen Aragón des 15. Jahrhunderts erzählt die Oper ein abgründiges Drama über die brutale Macht des Schicksals. Im Zentrum der erbitterten Fehde zwischen Graf Luna und dem Troubadour Manrico stehen nicht nur politische Motive, sondern auch ihre wechselseitigen Besitzansprüche auf die schöne Leonora, für die sie bereit sind, bis zum Äußersten zu gehen. Um diese gefährliche Dreiecksgeschichte legt sich zudem wie ein Schatten die Legende um Manricos Mutter Azucena. Deren Mutter wurde einst von Lunas Vater als „Hexe“ geächtet und zum Feuertod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. In ihrem Schmerz versuchte Azucena, den Sohn Lunas ebenfalls in die Flammen zu werfen, verbrannte in ihrer Raserei jedoch ihr eigenes Kind. An dessen Stelle nahm sie den Sohn des verhassten Mörders mit sich fort. Azucenas Racheschwur für diesen doppelten Schicksalsschlag ist der Motor für die mit extremen Emotionen aufgeladene Handlung und zeigt: Keine der Figuren kann der Vergangenheit entfliehen, bis sie bewältigt ist. Der starke Sog des gleichnamigen Schauspiels von Antonio García Gutiérrez übte eine große Faszination auf Verdi aus. Gemeinsam mit seinem Librettisten Salvatore Cammarano schuf er auf dessen Grundlage ein beeindruckendes Werk über die existenziellen Ausnahmezustände, in die Menschen geraten können, wenn sie zulassen, dass Hass, Eifersucht und Rachegelüste eine an Obsession grenzende Intensität in ihnen entwickeln. Das Team um den italienischen Regisseur Jacopo Spirei wird diese fesselnde „Oper der Nacht“ mit ihrer überwältigenden Musik zum ersten Mal seit 1987 wieder auf die Chemnitzer Opernbühne bringen.
Quelle: Die Theater Chemnitz