Unmittelbar und eindrücklich lässt uns Erich Maria Remarque in seinem Roman aus der Perspektive des jungen Paul Bäumer auf den Krieg blicken: Kurz vor dem Ende seiner Schulzeit wird er von seinem Klassenlehrer überredet, sich freiwillig zu melden. Was folgt sind Momentaufnahmen von der Front, teils allegorische Reflexionen und rückblickende Berichte über den seelenlosen und gewaltvollen Albtraum des Frontkrieges, den seine Kameraden, Freunde und ihre Generation tagtäglich erleben, der sie zu „Menschentieren“ macht, während ihr Enthusiasmus mehr und mehr der Verzweiflung weicht. – Zusammen mit dem Theater der Jungen Welt entsteht in der Regie von Moritz Sostmann eine Inszenierung, die mit den Ensembles beider Häuser entwickelt wird. Mit fragilen Gliederpuppen taucht die Gruppe der Spieler:innen aus heutiger Sicht in die Erfahrungswelt der Romanfiguren ein und nähert sich der Brutalität ihrer Schilderungen. „Haben Sie grundsätzlich Interesse, auf freiwilliger Basis Soldat oder Soldatin zu werden? Für welchen Einsatzbereich interessieren Sie sich? Wann könnten Sie beginnen?“ Diese und andere Fragen werden seit Januar 2026 jungen Menschen ab 18 Jahren zugeschickt. Was tue ich für mein Land? Was tut es für mich? Was ist das eigentlich, „mein Land“? Wofür steht es? Und wofür stehe ich? Zahlreiche Argumente und Positionen stehen sich im Für und Wider der Debatte um den freiwilligen Wehrdienst gegenüber. In begleitenden Workshops und Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern fragt das Team auch danach, welche Wirkung und Wirklichkeit sich in Remarques Text für sie heute noch spiegelt, wie sie selbst auf die Bereitschaft zum Wehrdienst schauen und lässt ihre Gedanken in die konzeptionelle Arbeit einfließen.
Quelle: Die Theater Chemnitz