Der Affe ergreift das Wort. Um zu erklären, warum Freiheit keine Option mehr war. In Franz Kafkas Bericht für eine Akademie geht es für Rotpeter, den der Akademie berichtenden Affen, um Anpassung als Überlebensstrategie. Er beschreibt das Lernen als Zwang, die Menschwerdung als Verlust. Der südafrikanische Regisseur Phala Ookeditse Phala und der Schauspieler Tony Bonani Miyambo nehmen diesen Text beim Wort und schreiben ihn mit ihrer Bearbeitung Kafka’s Ape in einen Körper, in eine Gegenwart, in eine Geschichte hinein, die offensichtlich keine Befriedung findet.Ihre dramaturgisch bestechende Bühnenstudie zeigt nicht ein Tier, das zum Menschen wird, sondern einen Menschen, der die emotionale Gewalt dieser Verwandlung offenlegt. Sprache, Haltung und die Bewegungen werden unter Druck aus seinem Körper extrahiert. Der Körper wird lesbar wie ein Datenstreifen. Zu sehen ist, wie er lernt, was zu akzeptieren ist. Und was nicht. Was als Fortschritt verkauft wird, enttarnt sich so als Dressur. Der Bericht wird zur Anklage.Leise, aber unumkehrbar verschiebt diese Bühnendramaturgie Kafkas Text. Aus ihm treten nun Fragen nach Assimilation und Fremdzuschreibung hervor, ohne benannt werden zu müssen. Wer spricht hier zu wem? Wer darf erzählen? Und zu welchem Preis? Der Körper auf der Bühne trägt nicht nur Kafkas Figur, sondern vielmehr eine Geschichte von Zuschreibungen, Anpassungszwängen und struktureller Gewalt.In Südafrika, einem Land, das nicht nur die Folgen des europäischen Kolonialismus, sondern auch die der Apartheid-Politik zu bewältigen hat, besitzt die Verarbeitung dieses Stoffes eine ganz besondere Sprengkraft. Mechanismen der Unterwerfung sind für Kafkas literarisches Experiment und für das Selbstbewusstsein der multinationalen, jungen südafrikanischen Nation Überlebensfrage.Herausragend kombiniert Tony Bonani Miyambo in seiner Solo-Performance Schauspieltechniken vielfältiger kultureller Prägungen. Sein hochkonzentriertes Spiel zeigt, wie nah Zivilisation und Brutalität beieinanderliegen. Und wie dünn die Linie zwischen Überleben und Anpassung ist.
Quelle: Die Theater Chemnitz