In Memory Distortion. M I X T A P E läuft die Geschichte als Schleife. Nicht immer vorwärts. Sie springt. Wiederholt sich. Hakt. Sie ist etwas, das immer wieder abgespielt, überspielt, gelöscht und neu aufgenommen wird. So wie auch Erinnerungen, auf die der Titel mit dem psychologischen Fachbegriff Gedächtnisverzerrug anspielt. Memory Distortion. M I X T A P E ist ein Konzert, ein Archiv, eine Versuchsanordnung. Die Inszenierung produziert Musik, die im Moment entsteht wie Gedanken. Stimmen werden gesampelt, geloopt, verzerrt, überschrieben.Regisseurin, Autorin und Performerin Nicoleta Esinencu, Trägerin des ITI-Preises des Jahres 2026, stammt aus Moldau. Das kleine Land mit rumänischer und sowjetischer Vergangenheit und unklarer Zukunft scheint eingeklemmt zwischen West- und Osteuropa.Ihre Performance aus Beats, Video, Texten und Akustik schöpft aus diesem Kontext: Vom kolonialisierten Land über den sozialistischen Staat zur neoliberalen Demokratie stürzt es von einem politischen Bündnis ins nächste. Diese Übergänge hinterlassen Spuren, aber selten Denkmäler. Viele Geschichten haben nie Eingang in die Schulbücher gefunden. Sie existieren als Fragmente, als private Erinnerungen, als Geräusche. Memory Distortion. M I X T A P E macht diesen Zustand hörbar.Politische Reden verwandeln sich in Atmosphäre, Parolen in Rauschen. Wiederholung wird zur Geste. Nicht als Nostalgie, sondern als Widerstand gegen das Vergessen. Wer entscheidet, was archiviert wird? Was bleiben darf? Was überschrieben wird? Ein Werk, konfrontativ, konzentriert, interdisziplinär zwischen Konzert, Soundperformance und Theater. Im Anschluss an die Vorstellung wird Nicoleta Esinencu mit dem Preis des Internationalen Theaterinstituts ausgezeichnet. Seit 2016 vergibt das Internationale Theaterinstitut in Deutschland einen Preis an Künstler:innen, die mit ihrem Engagement im Bereich der Darstellenden Künste maßgeblich zum internationalen kulturellen Austausch zwischen Deutschland und anderen Ländern beitragen.
Quelle: Die Theater Chemnitz