Es ist nur ein Sprung nach links … und schon steckt man mitten drin in einem der kultigsten Musicals! Janet und Brad sind frisch verlobt, als sie mit ihrem Wagen in einem Sturm liegenbleiben. Die Rettung scheint das ominöse Schloss zu sein, an dem sie vorbeikommen. Dort hoffen sie auf ein Telefon – stattdessen platzen sie mitten in eine skurrile Party, die der Eigentümer zu Ehren seiner großartigen Erfindung schmeißt: Er hat sich einen jungen, attraktiven Mann gezüchtet – nur zu seinem Vergnügen. Und diesen Mann – Rocky – wird er auch sogleich heiraten, in einer schnell eskalierenden Zeremonie. So skurril wie die Party und die Erfindung, ist auch der Gastgeber selbst: Frank-N-Furter, ein Transvestit vom Planeten Transsexual in der Galaxie Transylvania. Und dieser bringt die Welt des braven Pärchens Janet und Brad komplett durcheinander, indem er sie mit sexueller Freizügigkeit, fluiden Geschlechtergrenzen und einer grenzenlosen Lust am Leben konfrontiert. Seit der Uraufführung 1973 ist Richard O'Briens Glam-Rock-Musical nicht mehr von den Bühnen wegzudenken und wurde mit der Verfilmung als The Rocky Horror Picture Show unsterblich. Dabei werden Themen wie Trans-Identität und sexuelle Vorlieben offen ausgespielt – voller Leichtigkeit und mit überwältigender Energie, ganz ohne die ideologischen Grabenkämpfe, die diese Themen heutzutage begleiten. Das Musical erlaubt die Koexistenz von ansonsten marginalisierten Gruppen. So wurde die Rocky Horror Show und ihre Hauptfigur Frank-N-Furter zu einer Ikone der Trans-Bewegung und vor allem der Lebensfreude. Denn auch wenn Frank der Bösewicht ist, so kommt man am Ende nicht drum herum, Mitleid mit ihm zu verspüren, als er gezwungen wird, sein freies Leben auf der Erde für immer zurückzulassen.
Quelle: Die Theater Chemnitz