Am 3. Dezember 1951 fand in Chemnitz die Premiere von Mozarts Die Entführung aus dem Serail statt, die damit den Startpunkt einer städtischen Puppenbühne setzte. Mozart war zur Uraufführung seines Singspiels 1782 gerade mal 26 Jahre alt und hatte da bereits eine 20-jährige Karriere, die als Wunderkind begann, hinter sich. Mit fünf Jahren stand er zum ersten Mal auf einer Bühne, als Siebenjähriger begann er, seine erste Sinfonie zu komponieren. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon vor Maria Theresia sowie am Versailler Hof gespielt und mit seiner Schwester Maria Anna halb Europa bereist. Ein Wunderkind oder ein Kinderstar mit sehr guter Förderung? „Wunderkinder“ finden sich in vielen Bereichen: im Sport, der Mathematik, beim Schach und nicht zuletzt in der Musik. Eltern wollen für ihre Kinder die bestmögliche Förderung. Aus Förderung kann aber auch Überforderung oder auch schiere Vermarktung werden. In der Umzingelung durch die Erwartungen der Erwachsenenwelt gerät die Kindheit in Gefahr. Auf der Bühne geht ein Kind von heute mit einem Cembalo von gestern auf eine mutige Entdeckungsreise in die eigene Gedankenwelt von übermorgen. Es erfährt, dass es nicht nur um die Erwartungen der anderen geht, sondern dass man sich selbst einen Weg zu etwas ganz anderem, zu einer eigenen Sprache eröffnen kann. Ein Weg, der das Bewusstsein für die Selbstwirksamkeit stärkt und zeigt, dass Alleinsein nicht immer Einsamkeit bedeuten muss. Wer sich und seinen Ideen vertraut, wächst über sich hinaus. Musik öffnet dabei Türen. Sie kann zwischen höchster Präzision und intuitiver Improvisation wechseln und lädt ein, eigene Wege zu beschreiten. Das „Wunder“-Kind entdeckt auf seiner Reise durch die Erfahrungswelten ein anderes Wunder, als viele erwarten. Und Mozart wird einer der Schlüssel sein, genau wie der Drumcomputer des Kindes.
Quelle: Die Theater Chemnitz