In Zeiten von Biohacking, Klonen und Künstlicher Intelligenz verschieben sich die Grenzen von Leben, Tod und Endlichkeit. BLUR erforscht diesen Grenzbereich und macht spürbar, was Theater auch sein kann. Das Publikum ist eingeladen, in eine virtuelle Welt einzutauchen. Diese spricht alle Sinne an und erzeugt das Gefühl eines neuen Seins, bringt so aber auch Gewissheiten ins Wanken. Jede:r Besucher:in erhält eine Virtual-Reality-Brille und begibt sich damit in eine künstlich erzeugte Welt. In dieser agiert jede:r als Avatar: Bewegungen werden mit Hilfe von Motion Capture, einer Bewegungssoftware, in die digitale Welt übersetzt. Körper, Stimme und Orientierung im Raum existieren gleichzeitig in der realen und der digitalen Welt. Präsenz wird zu etwas Fragilem und nicht ganz Fassbarem. Unterhaltsam und präzise führt dieses Erlebnis der virtuellen Realität zu einer ewig aktuellen Frage der Menschheit: Wie empfinden wir Endlichkeit in einer Zeit, in der Biotechnologien und künstliche Intelligenz versuchen, ein Ende aufzuheben? BLUR, im Deutschen so etwas wie verschwommen oder Unschärfe, begegnet dieser Frage sinnlich und erfahrungsbasiert, liefert keine Erklärung. Die Teilnehmenden durchqueren surreale Szenarien, in denen Erinnerung, Verlust und Identität körperlich spürbar werden. Die in Taipeh und Montreal entstandene Performance spekuliert nicht über die Zukunft. Das Publikum erlebt einen Moment im Hier und Jetzt und ist doch in einer anderen Welt. So ermöglicht Theater, sich auf einen flüchtigen Zustand einzulassen und ethische, emotionale und existenzielle Fragen einer möglichen Zukunft körperlich zu erfahren. Dieses bahnbrechende Erlebnis gibt keine Antworten, es verschiebt die Wahrnehmung und lädt dazu ein, neue Fragen zu stellen. Technologie bleibt in diesem Theater nicht Effekt, sondern wird zur Erzählung selbst. Sie erzeugt zugleich Nähe und Distanz und verführt dazu, einen Welt-Raum zu erleben, der ebenso faszinierend wie unheimlich ist. Die international zusammengesetzte Künster:innengruppe Riverbed Theatre arbeitet seit 1998 an der Schnittstelle von Wissenschaft, Technik und Kunst. BLUR war im letzten Jahr ein Publikums-Hit auf der Kunstbiennale in Venedig.
Quelle: Die Theater Chemnitz