In Mutikkappatâta setzt sich die Schauspielerin Nathalie Vairac mit Geschichte auseinander, deren Hinterlassenschaft scheinbar endlos nachwirkt. Ihre Soloarbeit geht von der eigenen Biografie aus: Geboren in Bordeaux als Tochter einer indischen Mutter und eines Vaters aus Guadeloupe, stößt ihr Erzählversuch schnell auf koloniale Vergangenheit, die Körper, Sprachen und Bewegungen bis heute formt. Kolonialgeschichte erscheint hier nicht als historisches Kapitel, sondern als leise, hartnäckige Dauerpräsenz.Das Stück fragt in eindringlichem Ton, mit Video und Bildern, wie Gewalt weitergegeben wird, auch dort, wo dies nicht offensichtlich passiert. Es zeigt, wie sich koloniale Erfahrungen in Familien fortsetzen, auch wenn heute Kolonialismus offiziell nicht mehr existiert. Als Schweigen, als Bruch, als etwas ständig Anwesendes. Erinnerung wird dabei nicht erzählt, sondern schauspielerisch erfahrbar gemacht in Atem, Stimme, Rhythmus und Stillstand.Die entstehenden, sich überlagernden Bilder aus Video und Bewegung sind fragil. Sie verweisen auf Territorien, Durchquerungen und Verluste. Nathalie Vairacs Körper selbst wird zum sichtbaren Archiv, durchzogen von Geschichten aus Indien, Vietnam, der Karibik, Europa und Afrika. Mutikkappatâta fragt, was es heißt, mit einer Geschichte zu leben, die nie ganz die eigene war, aber als eine eigene angenommen sein muss, und wie sich Identität aus vielen teils widersprüchlichen Schichten zusammensetzt.Die Aufführung verweigert klare Antworten. Stattdessen öffnet sie einen Raum, in dem persönliche Erinnerung und politische Geschichte untrennbar werden.Nach vielen Jahren des Studiums der Psychoanalyse und einer Ausbildung in therapeutischer Heilung vermittelt Nathalie Vairac ihre Kunst mit der Absicht, eine Spur beim Publikum zu hinterlassen. Sie gründete die Compagnie La Lune Nouvelle in Dakar. Sie hat an bedeutenden Ausstellungen teilgenommen. Vairac lebt und arbeitet in Dakar, Senegal.
Quelle: Die Theater Chemnitz