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Ein Moshpit ist ein Ort der Energie, der Reibung und der Begegnung. Menschen prallen aufeinander, bewegen sich gegeneinander und miteinander, verlieren kurz das Gleichgewicht und finden wieder zurück. Was von außen wie Chaos erscheint, folgt einer eigenen Dynamik: Es geht um Nähe und Distanz, um Spannung und gegenseitige Rücksichtnahme. Wer fällt, wird aufgehoben.
Diese Bewegung findet sich auch in der Begegnung der Arbeiten von Lydia Thomas und Valentin Dotzauer. Ihre Werke treten nicht in einen harmonischen Dialog, sondern begegnen sich mit Reibung und Widerstand. Sie behaupten ihre Eigenständigkeit, fordern sich gegenseitig heraus und verschieben die Perspektive auf das jeweils andere. Ein Werk stößt das andere aus seiner Mitte – nicht um es zu verdrängen, sondern um neue Räume und Blickwinkel entstehen zu lassen.
Die Ausstellung wird so selbst zu einem Moshpit: ein Ort, an dem unterschiedliche künstlerische Haltungen, gesellschaftliche Fragen und persönliche Erfahrungen aufeinandertreffen. Zwischen den Arbeiten, dem Raum und den Besucher*innen entsteht ein Spannungsfeld aus Irritation, Resonanz und Bewegung.
Die Arbeiten beider Künstler*innen hinterfragen den Zeitgeist, legen soziale und moralische Bruchstellen offen und untersuchen die Widersprüche unserer Gegenwart. Dabei geht es weniger um eindeutige Antworten als um die produktive Kraft der Auseinandersetzung.
Ich kenne Lydia Thomas und ihre Arbeit seit vielen Jahren und habe mich sehr gefreut, dass sie meiner Einladung zu dieser Ausstellung zugesagt hat. Besonders schön war ihre Idee, die Ausstellung gemeinsam mit Valentin Dotzauer zu realisieren.
Die Verbindung der beiden reicht weit über ihre Beziehung zur Akademie der Bildenden Künste München hinaus. Während eines Praktikums von Valentin Dotzauer in der Galerie Weise in Chemnitz, die Lydia Thomas über viele Jahre vertreten hat, entwickelte sich zwischen beiden zunächst ein intensiver künstlerischer Austausch. Lydia begleitete Valentin dabei in einer mentorischen Rolle; daraus entstand eine enge Freundschaft. Heute studiert Valentin in der Klasse von Prof. Anke Doberauer, in der Lydia einige Jahre zuvor ihr Studium absolvierte. Beide verbindet außerdem ihre Herkunft aus Karl-Marx-Stadt beziehungsweise Chemnitz. Dass sie nun erstmals gemeinsam ausstellen, erscheint deshalb ebenso folgerichtig wie konsequent – als zwei eigenständige künstlerische Positionen auf Augenhöhe.
Lydia Thomas zur Hängung in der Pentacon Galerie und zum Bezug zu MOSHPIT: "Die Anordnung der Werke spiegelt diese Dynamik wider: Kreisförmig platziert, erzeugen sie ein Gefühl von Bewegung und Interaktion. Das helle, lichtdurchflutete Foyer, das von angrenzenden Büroräumen umgeben ist, verstärkt diesen Eindruck. Auch hier entsteht eine Art Moshpit – ein Strudel zielstrebiger Menschen, die sich im Spannungsfeld von Kunst und Alltag bewegen."
Text: Christian Manss
quelle: medienkulturhaus.de
Quelle: Kulturkalender Dresden