Lesung / Vortrag / Gespräch
Abo Alsleben „Mayhem live in Leipzig – Wie ich den Black Metal nach Ostdeutschland brachte“
Di | Chemiefabrik Dresden-
Immer wieder erreichen uns Anfragen wie: „Macht doch bitte mehr Punk, so wie früher. Warum gibt es bei euch so viel Metal?“
Das können wir allerdings so nicht stehen lassen. Während früher fast ausschließlich am Wochenende Konzerte stattfanden (ja, oft Punkkonzerte), gibt es heute beinahe täglich Live-Musik. Gäste wie Veranstaltende wurden älter, erweiterten ihren musikalischen Horizont und wollten sich selbst als Konzertveranstalter ausprobieren. Der Chemiefabrik blieben sie dabei glücklicherweise treu. So fand nach und nach auch Metal seinen festen Platz im Programm.
Zu diesem Thema passt diese Lesung hervorragend und dürfte die eine oder andere Person neugierig machen. Es wird skurril, witzig, nostalgisch und ganz bestimmt absurd, wenn eine Geschichte erzählt wird, die so unglaublich klingt, als hätte sie nie stattgefunden.Ostdeutschland – wir schreiben das Jahr 1990. Die DDR existiert seit dem 3. Oktober nicht mehr, die Mehrheit der Bevölkerung hat sich bei den Wahlen im März 1990 dafür entschieden, nicht mehr im Sozialismus, sondern im Kapitalismus leben zu wollen. Die Mauer wird gerade von Mauerspechten durchlöchert und in den kommenden Monaten ganz weggebaggert. Der eiserne Vorhang ist gefallen. Die Alu-Chips der Ost-Mark werden in der Währungsunion am 1. Juli 1990 durch die ersehnte, harte D-Mark ersetzt. In den Großstädten wie Leipzig gibt es viel Leerstand. Die Häuser und Wohnungen werden wie in Connewitz von jungen Leuten besetzt und so vor dem Verfall gerettet. Es wird mit Öfen geheizt, also mit Kohle und Kohlebafällen. In den kalten Wintermonaten kommt es zu enormen Luftverschmutzungen.
In dieser wirren Zeit des Winters 1990 spielt eine unbekannte norwegische Band namens MAYHEM drei mehr oder weniger gut besuchte Konzerte in der ehemaligen DDR. Das dritte Konzert in Leipzig wird durch Zufall mitgeschnitten und ist ein einzigartiges Zeitzeugnis der neu entstehenden zweiten Welle des Black Metal, denn fünf Monate später nimmt sich der depressive Sänger Dead in Norwegen das Leben. Drei Jahre später wird der Mayhem-Gitarrist Euronymous ermordet. Der Live-Mitschnitt aus Leipzig erlangt weltweiten Ruhm.
Nach dem Tod von Dead und Euronymous waren eine Menge düstere Geschichten über Mayhem im Umlauf. Black Metal rückte in ein sehr bedenkliches Licht. Abo Alsleben hat die Jungs anders kennengelernt und deshalb beschlossen, ein Buch über die drei Konzerte zu schreiben. Das sind seine ganz subjektiven Erinnerungen an diese Zeit, die er sich frei von der Leber weggeschrieben hat.
präsentiert von: chemiefabrik
Quelle: Kulturkalender Dresden