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Mit seinem Film IDIOTEN sprengte Lars von Trier 1998 bürgerliche Schamgrenzen. Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe junger Leute, die sich durch idiotisches Verhalten von der Gesellschaft absondern und so gegen ihre Umwelt auflehnen. Es ist der zweite Film der so genannten „Dogma“ Reihe und wurde kontrovers diskutiert, nicht zuletzt wegen seines dokumentarischen Realismus. Der Film zerlegt gängige Moralanschauungen und erzählt provokant und oft mit viel Sarkasmus von Individuen, die „den Idioten in sich entdecken wollen" und dabei die Geduld, die Toleranz und das Feingefühl ihrer Mitmenschen völlig ausreizen, bis diese nicht mehr wissen, was sie tun sollen. Die Diskussionen um Identität, Übergriffigkeit, Aneignung würden heute, 28 Jahre später, viele Agenten abschrecken, auch die Finanzierung eines solchen Films wäre mehr als fraglich. So finden sich derartige künstlerische Provokationen inzwischen selten in den Spielplänen der Festivals. Es gibt eine neue Empfindlichkeit gegen Tabubrüche. Beschränkt diese Rücksichtnahme und Sensibilität das schöpferische Tun und wird zur Einengung? Ist diese Sensibilität in der Kunst angemessen? Ist sie Ausdruck eines reiferen Umgangs im künstlerischen Miteinander oder doch ein Hindernis für eine übergeordnete Botschaft, die auch die Provokation braucht um Strukturen und moralische Konditionierungen offen zu legen? Wo bleibt die Kunstfreiheit?
Tobias Hülswitt spricht mit Harald Schmidt über das Lob der Torheit, die Lust am Regelbruch und Sensibilisierungen der Gegenwart.
Quelle: Programmkino Ost
Quelle: Kulturkalender Dresden